Unschuldsengel von Zoje Stage

...wenn es denn mal etwas anderes als ein Liebesroman sein soll;)

Moderatoren: mallory, Mondfrau

Unschuldsengel von Zoje Stage

Beitragvon Skiddo » 19.11.2019, 12:10

Werbung

Bild


"Unschuldsengel" Thriller von Zoje Stage

"Die kleine Hanna will ihre Mutter tot sehen - ein Gänsehaut-Thriller, den man nicht mehr aus der Hand legen kann.

In den Augen ihres Vaters Alex ist die achtjährige Hanna ein süßer Engel, der keiner Seele etwas zuleide tun würde. Doch in Mutter Suzette wächst die Sorge: Hanna spricht kein Wort und verhält sich immer aggressiver, vor allem ihr gegenüber. Eines Tages hält Suzette statt der erwarteten Hausaufgaben plötzlich Hass-Briefe in der Hand. Verstört flüchtet sie ins Badezimmer. Bis es an der Tür klopft, wieder und wieder. Als Suzette endlich öffnet, steht ihr kleines Mädchen im Türrahmen. Nur das Weiße ihrer Augen ist zu sehen, und sie spricht die ersten Worte ihres Lebens: »Ich bin nicht Hanna … «"

Quelle Amazon.de



Meine Meinung:

Alex und Suzette sind Eltern der 7j. Hanna. Hanna spricht nicht und die bisherigen Versuche, sie in eine Schule zu integrieren sind gescheitert, weshalb sie von ihrer Mutter zu Hause unterrichtet wird. Hanna ist körperlich völlig gesund und nicht dumm, im Gegenteil sogar sehr intelligent. Sie "spricht" 3 Sprachen (englisch, schwedisch durch ihren schwedischen Vater und etwas französisch), kann lesen und schreiben und ist allgemein einfach nicht auf dem Stand einer 7j. Erstklässlerin. So schafft sie es mithilfe ihrer Fantasie und ihrer Skrupellosigkeit, sich sowohl Babysitter als auch Lehrer vom Hals zu halten. Suzette ist Hausfrau und mit ihrer Rolle zusehends unzufriedener. Das Ehepaar ist sehr kreativ, Alex Architekt mit eigenem Büro und Angestellten, Suzette eigentlich Innenarchitektin, die anfangs mit ihrem Mann zusammengearbeitet und ihn so kennengelernt hat. Als sie schwanger wurde, haben beide gemeinsam entschieden, dass sie für ihr Kind zu Hause bleibt, und es sah alles nach einem wahr gewordenen Traum aus. Suzettes Erwartung an sich selbst ist sehr hoch. Sie ist chronisch krank (Morbus Crohn) und wurde in ihrer Kindheit und Jugend von ihrer Mutter stark vernachlässigt, weshalb sie es unbedingt besser machen möchte bei ihrem eigenen Kind.
Leider entwickelte sich dieses wunderhübsche Mädchen zu einer kleinen Tyrannin, die ihren Vater idealisiert und ihre Mutter als Konkurrentin um die Liebe des Vaters ansieht und sie aus dem Weg zu schaffen versucht. Hanna manipuliert und ihr Vater lässt sich manipulieren. Zweifelsfrei lieben sich die Eltern, aber wenn es um Hanna geht, fühlt sich Suzette häufig wie ausgeschlossen. Sie versucht, ihrem Mann zu erklären, wie schwierig das Zusammenleben mit Hanna häufig ist, was Alex aber nicht hören möchte.
Es ist ein Teufelskreis, in dem sich die Familie befindet und er dreht sich immer schneller.

Das Buch lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Es ist definitiv gut geschrieben, sehr flüssig zu lesen, die Idee gut und eigentlich auch spannend. Auch wenn impliziert wird, dass das Buch gruselig ist, ist es das nicht. Nicht mal ich Hasenfuss habe mich gefürchtet. Aber es ist sehr intensiv. Häufig habe ich den Vater schütteln mögen. Teilweise hat er die Stimmung durch sein widersprüchliches Verhalten noch angestachelt und ich habe mich an Suzettes Stelle geärgert. Aber im letzten Viertel der Geschichte erklärt sich Alex' Verhalten. Das kam für mich persönlich leider etwas spät, ich hatte ihn schon als Idioten abgestempelt und konnte mich innerlich nicht wirklich überwinden, ihn aus der Ecke wieder rauszuholen. Dabei ist sein Verhalten nach der Erklärung eigentlich sehr gut zu verstehen. Auch Suzettes Verhalten und ihre Gedanken sind für mich gut nachvollziehbar gewesen, auch wenn es natürlich etwas nervenzehrend ist, ständige Mami-Zweifel mitzulesen.

Die Geschichte hat mich nicht kalt gelassen und ist überwiegend Pageturner, auch wenn ich manchmal speziell im Zusammenhang mit Alex doch Langeweile empfand. Weil es einfach so vorhersehbar war, dass er seine Tochter immer als das arme unverstandene Genie gesehen hat, das von Schule, Lehrern und sogar Mutter missverstanden wird.
Die Geschichte ist abwechselnd aus Suzettes und Hannas Sicht geschrieben, was auch der Grund ist, warum mir Alex eben sehr eindimensional erschien. Du kannst in den Kopf ja nur reinschauen, wenn du ihn liest ;)

Allerdings ist es keine Happy-End-Geschichte. Die immer unerträglicher werdende Situation löst sich auf, aber die Familie reitet nicht zum Schluß glücklich lachend in den Sonnenuntergang. Das ginge einfach nicht und würde die Story auch sehr unglaubwürdig (und in meinen Augen schlecht) machen. Die Autorin hat sich ein sehr unbequemes Thema als Debüt gesucht und es meisterhaft umgesetzt!


Von mir bekommt die Geschichte
4 von 5 Punkten.

Ich weiß, diese Geschichte wird mich noch lange begleiten. Ich habe zwar die Mutmaßung anderer Leser gesehen, dass es vielleicht später noch einen 2ten Teil geben könnte, weil durch das fehlende Happy End andere ein offenes Ende mit Fortsetzungspotential sehen, aber ich ganz persönlich kann mich dem nicht anschließen. Das Buch endet für mich mit Hoffnung, nur eben nicht mit einem klassischen Happy End. Mehr möchte ich nicht verraten.

:stern
Benutzeravatar
Skiddo
Gouvernante
 
Beiträge: 6007
Registriert: 19.08.2008, 19:38

Re: Unschuldsengel von Zoje Stage

Beitragvon sabinett » 19.11.2019, 16:38

:grübel klingt interessant und tragisch irgendwie :nein nicht meins :versteck

aber danke :backe
»Wenn es mir schlecht geht, gehe ich nicht in die Apotheke,
sondern zu meinem Buchhändler«
*Philippe Dijan*
:buch
Benutzeravatar
sabinett
Palastwache/Moderatorin
 
Beiträge: 37578
Registriert: 30.03.2006, 14:13
Wohnort: Düsseldorf


Zurück zu sonstige Genre

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast