Sydney Stafford - Der Ermittler

...wenn es denn mal etwas anderes als ein Liebesroman sein soll;)

Moderatoren: mallory, Mondfrau

Sydney Stafford - Der Ermittler

Beitragvon mallory » 25.01.2017, 19:15



Inhalt: Kay Horvath ist 34, Kriminaloberkommissar beim BKA in Wiesbaden und etwas speziell. Er hat einige Marotten, von seinen Mitmenschen liebevoll "Special Features" genannt, doch auch wenn er im Umgang mit "normalen" Menschen nicht immer einfach ist und auch seine Probleme im täglichen Leben mit ihnen hat, so ist er in dem was er beruflich macht, genial. Keiner durchschaut Zusammenhänge so schnell und so gut wie er, so dass er beim BKA eine Sonderstellung hat und immer dort eingesetzt wird wo jemand mit seinen speziellen Fähigkeiten gebraucht wird.
In 5 fortlaufenden Episoden erzählt Sydney Stafford nicht nur von sehr unterschiedlichen Fällen sondern auch von der Entwicklung eines zwischenmenschlich unbeholfenen, einsamen Mannes zu einem Menschen der schließlich doch in einer Wahlfamilie glücklich wird.

Das Buch setzt sich zusammen aus:

1.

Hier ermittelt Horvath in einem Fall von scheinbarem Vampirismus und kommt dabei selbst in Todesgefahr. Außerdem lernt er einen Mann kennen der sehr interessiert an ihm ist.

2.

Ein Attentat auf das Innenministerium erschüttert Deutschland, die Antiterroreinheit des BKA ermittelt. In dieser Episode muss Kay nicht nur gegen Terroristen kämpfen, sondern sich auch mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen. In Sergio findet er endlich einen Partner der ihm die Einsamkeit nimmt.

3.

Kay recherchiert im Geheimen über eine Firma die Flugzeugteile herstellt und wird prompt erwischt und suspendiert. Aber noch am selben Tag gibt es ein tragisches Unglück mit einem Passagierflugzeug, und das Desaster wird in Zusammenhang mit VIA AIR gebracht. Ausgerechnet jetzt trifft Kay seinen ersten Freund Johannes wieder,
der sein sorgsam gehütetes Gefühlsleben völlig auf den Kopf stellt.

4.

Ein Spezialeinsatzkommando aus München gerät in Verruf, als eines Morgens negative Schlagzeilen über das Team in einer großen Tageszeitung erscheinen. Die Polizisten werden gezeigt, wie sie Ausländer brutal verprügeln. Die Anschuldigungen sind nicht an den Haaren herbeigezogen, denn es existieren Bilder, auf denen die Beamten eindeutig zu erkennen sind. Auch die Echtheit des Materials wird bestätigt. Zu allem Überfluss ist Johannes Wiechert, Kays Ex-Freund, Leiter des SEK. Kay muss den Fall übernehmen, doch er glaubt keine Sekunde an die Schuld dieser Männer...

5.

In der letzten Episode der Reihe werden Undercoveragenten enttarnt, geheime Operationen aufgedeckt. Das BKA vermutet einen Maulwurf in den eigenen Reihen, deshalb wird Kay Horvath zusammen mit seinem Kollegen Alex Wiltenberg darauf angesetzt, eine verdeckte Ermittlung in Afghanistan durchzuführen. Kann es wirklich sein, dass ein Beamter der GSG9 hinter all dem steckt? Um das herauszufinden, muss Kay seine eigenen Grenzen überwinden.

Meine Meinung:

Kay Horvath habe ich im Laufe der Episoden richtig lieb gewonnen. Er wirkt zwar zu Anfang ziemlich cool, doch bald merkt man, dass er in vielen Situationen einfach unbeholfen ist. Er ist zwar hochintelligent und erkennt Zusammenhänge in der Ermittlungsarbeit, die anderen nicht oder nicht so schnell klar werden, doch andererseits muss er sich an so einfache Sachen wie höfliche Kommunikation immer wieder selbst erinnern. In seinem Kopf hat er für jeden Menschen in seinem Leben einen Ordner angelegt, in dem er ihn oder sie zuordnet, doch wenn etwas seine Ordnung im Kopf durcheinander bringt ist er komplett davon überfordert. Er hat er mit Redewendungen so seine Probleme und kann sie oft erst Sekunden später als solche zuordnen. Auch ist er einigen Zwängen unterworfen, die ihn z.B. zwingen Zauberwürfel zu ordnen damit sie nicht mehr chaotisch bunt sind oder die Stifte seiner Gesprächspartner akkurat auszurichten. Das gab für mich als Leserin immer wieder Momente in denen ich laut auflachte. Trotzdem wird Kay in seinen Marotten nicht vorgeführt, was ich sehr angenehm finde. Er wurde schon als Säugling in einem Kinderheim abgegeben, woraus sich wohl einige Macken erklären, für mich hat seine Persönlichkeit aber auch Anzeichen eines leichten Autisten.
Die Fälle in denen er, zusammen mit seinen Kollegen vom BKA Wiesbaden, dem SEK München oder auch der GSG9-Truppe oder der Bundeswehr ermittelt sind abwechslungsreich, gut ausgedacht, originell und zum Teil ziemlich spannend. Schon alleine die Fälle sind es wert den Roman - oder wahlweise die 5 Episoden - zu lesen, dazu kommt dann noch der liebenswerte Ermittler, der am Ende nicht nur die Liebe findet sondern auch endlich eine (Wahl-)Familie im Kreis seiner Freunde. Ich habe die fünf Geschichten auf jeden Fall förmlich inhaliert und konnte mich kaum davon trennen bis es endlich ein Happy End gab.

Noch eine Anmerkung zum Gay-Anteil: Ja, Kay Horvath ist schwul und ja, es gibt einige weitere schwule Personen und man sollte nicht homophob sein wenn man diesen Roman lesen will, da Kay schon einiges an sexuellem Kopfkino abspielt. Vor allem in der letzten Folge war mir das fast zu viel. Doch sehr positiv fand ich es dass ausnahmsweise mal nicht ins Detail gegangen wurde. Mir reichte es zu wissen dass sie zusammen im Bett waren, ich fand es richtig angenehm das mal nicht bis ins kleinste Detail geschildert zu bekommen. Daher also ja, sie küssen sich und Körperteile werden benannt, doch explizite Sexszenen im üblichen Sinne gibt es nicht.

Fazit: Tolle Kriminalfälle mit einem etwas speziellen Ermittler, der im Laufe der Reihe ein Privatleben und einen Lebenspartner bekommt, m. E. dennoch kein Liebesroman da die Kriminalfälle im Vordergrund stehen der Herz-Schmerz-Anteil eher im Hintergrund "mitläuft".

Meine Wertung:

begeisterte 5 von 5 :lesen

:stern

Und das nächste Buch von Sydney Stafford, "Der Omega Code", habe ich schon geladen! :mrgreen:
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Re: Sydney Stafford - Der Ermittler

Beitragvon mallory » 25.01.2017, 19:28

Was ich noch dazu sagen muss: Die einzelnen Episoden, die ich über kindle unlimited geliehen hatte, sind mit ca. 60 Seiten ja eigentlich sehr kurz, trotzdem sind sie so ausführlich und komplex dass ich bei jeder Einzelnen erstaunt war dass das nicht mindestens doppelt so viele Seiten waren!
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