Gute Geister von Kathryn Stockett

...wenn es denn mal etwas anderes als ein Liebesroman sein soll;)

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Gute Geister von Kathryn Stockett

Beitragvon Lirofan » 07.04.2017, 10:22



Klappentext:
Mississippi, 1962: Die junge Skeeter wünscht sich nur eins: Sie will weg aus dem engen Jackson und als Journalistin in New York leben. Um etwas zu verändern, verbündet sie sich mit zwei schwarzen Dienstmädchen: Aibileen zieht die Kinder ihrer Arbeitgeber auf – das Tafelsilber darf sie aber nicht berühren. Und Minnie ist auf der Suche nach einer neuen Stelle. Sie ist bekannt für ihre Kochkünste, aber sie ist auch gefürchtet: Denn Minnie trägt das Herz auf der Zunge. Gemeinsam beschließen die drei Frauen, gegen die Konventionen ihrer Zeit zu verstoßen und etwas zu wagen. Denn sie alle haben das Gefühl zu ersticken und wollen etwas verändern – in ihrer Stadt und in ihrem eigenen Leben.

Inhaltsangabe:
Als Eugenia Phelan, genannt Skeeter, aus dem College zurück in ihre Heimatstadt Jackson/Mississippi kommt, fühlt sie sich nicht mehr heimisch. Alle ihre Freundinnen sind inzwischen Ehefrauen und Mütter. Sie selbst hat noch nicht einmal einen Freund. Kein Wunder, ist sie doch für eine Frau außergewöhnlich groß und auch nicht besonders attraktiv. Sie vermisst aufs schmerzlichste ihre Nanny, eine Afroamerikanerin namens Constantine, zu der sie ein sehr enges Vertrauensverhältnis hatte. Doch niemand will ihr sagen, warum Constantine nach 29 Jahren in Diensten der Familie Phelan plötzlich die Stadt verlassen hat und wo sie geblieben ist. Auch wundert es Skeeter, dass sie keine Briefe mehr von ihrer Nanny bekommen hat. Im letzten kündigte Constantine ihr eine Überraschung an. Skeeters schwerkranke Mutter hat nur eine Sorge: Eine möglichst gute Partie für ihre Tochter. Über Constantine will sie nicht sprechen. Der Vater – ein Plantagenbesitzer – geht voll in seiner Arbeit auf und der Bruder lebt in einer anderen Stadt.
Das Verhältnis zu ihren Freundinnen Elizabeth Leefolt und Hilly Hoolbrock hat sich merklich verändert. Diese sehen ihren Lebenszweck nur in Ehe, Familie und dem Engagement in ihrem Oberschicht-Frauenclub, der sich der Wohltätigkeit verschrieben hat. Hilly ist die gefürchtete, tonangebende und rassistische Leiterin dieses Clubs. Elizabeth, die nicht ganz so reich geheiratet hat, ist Hilly vollkommen hörig und tut alles, was diese sagt – selbst wenn es gegen ihre eigene Überzeugung sein sollte.

Skeeters größter Wunsch ist es, Journalistin zu werden und Mississippi den Rücken zu kehren. Sie hat sogar Kontakt zu einer Verlegerin in New York. Diese fordert sie auf, erst einmal mit einem eigenen Projekt zu beginnen und wenn sie damit überzeugen kann, würde man weitersehen. Als Skeeter sich – um erste Erfahrungen zu sammeln – bei der örtlichen Tageszeitung als Reporterin bewirbt, bekommt sie auf Anhieb „Miss Myrnas Haushaltskolumne“ aufs Auge gedrückt. Sie, die vom Haushalt keine Ahnung hat, soll nun anderen Frauen Tipps und Tricks in Haushaltsfragen geben. Hilfe muss her und so kommt sie in Kontakt mit Aibileen, dem afroamerikanischen Hausmädchen von Elizabeth.

Aibileen ist eine stille, schüchterne Frau um die fünfzig, die sich seit ihrem 14ten Lebensjahr um die Kinder von Weißen gekümmert und den Haushalt geführt hat. Sind die Kinder klein, akzeptierten sie die schwarze Nanny vorbehaltlos und liebten sie sogar. Sobald sie in die Schule kammen, verloren die Kinder ihre „Farbenblindheit“. Dann kündigte Aibileen und suchte sich eine neue Stelle. Vor 2 Jahren hätte ein schwerer Schicksalsschlag sie beinahe umgebracht und es dauerte lange, bis sie in der Lage war, den jetzigen Job anzunehmen. Sie kümmert sich liebevoll um die 2jährige Mae Mobley und hat ein sehr enges Verhältnis zu der Kleinen. Von Aibileen bekommt Mae Mobley die Liebe, die sie von ihrer eigenen Mutter nicht bekommt. Und Aibileen versucht heimlich, wenigstens bei diesem Kind ein Umdenken in der Rassenfrage zu bewirken. Aibileen erklärt sich nach längerem Zögern bereit, Skeeter bei der Haushaltskolumne zu helfen. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass Schwarze und Weiße Umgang miteinander pflegen. Elisabeth gibt ein wenig unwillig die Erlaubnis.

Bei einem Treffen der League (so heißt der Club) geht es um das Thema „Extra-Toiletten für farbige Hausangestellte“. Dieses Thema ist eine Herzensangelegenheit von Hilly und sie wirbt heftig dafür. Sie verbreitet, dass Farbige spezielle Krankheiten hätten, die sie auf Weiße übertragen würden, sollten sie das gleiche Klo benutzen. Außerdem würde ein Fabrigenklo den Wert eines jeden Hauses steigern. So fordert sie Skeeter auf, im clubeigenen Newsletter über dieses Thema positiv zu schreiben. Paradoxerweise sammelt der Club gleichzeitig Spenden für die „hungernden Kinder in Afrika“.
Durch diese und ähnliche Aktionen wird Skeeters Blick für die Situation der farbigen Hausangestellten geschärft und was sie sieht, gefällt ihr überhaupt nicht. Obwohl selbst in gleichen Verhältnissen aufgewachsen und selbst Nutznießerin von farbigen Dienstmädchen, beginnt bei ihr ein Umdenken. Es entsteht in ihr die Idee, ein Buch über eben diese Situation zu schreiben. Doch nicht einfach nur einen Blick durch ihre Augen will sie schaffen – nein, die Geschichten sollen von den Hausmädchen selbst erzählt werden. Ein Unding in Zeiten strikter Rassentrennung in einer der rassistischsten Städte Amerikas. Dieses Buch soll ihr eigenes Projekt werden, ihre Fahrkarte nach New York. Die Verlegerin gibt ihr grünes Licht. Wahrscheinlich glaubt sie aber selbst nicht an die Realisierung.
Es dauert lange, bis Skeeter Aibileen überredet hat, mit ihr zu arbeiten und noch länger dauert es, auch ein anderes Dienstmädchen mit ins Boot zu holen. Minnie!

Minnie ist die beste Freundin von Aibileen, um einiges jünger und das genaue Gegenteil von ihr. Sie hat 5 Kinder und ist mit einem Mann verheiratet, der sie gern prügelt, wenn er getrunken hat oder ihn irgendetwas stört. Nur wenn sie schwanger ist, fasst er sie nicht an. Minnie hat schon sehr oft ihre Stellung verloren obwohl sie eine phantastische Köchin ist. Das liegt daran, dass sie ein loses Mundwerk hat. Sie ist direkt und sagt jedem die Meinung - auch ihren Arbeitgebern. Ihre letzte Stelle hatte sie bei der leicht dementen Mutter von Hilly Hoolbrock. Dort wurde sie von Hilly gefeuert, als sie es wagte, auf das Familienklo zu gehen. Für diese Entlassung rächte sich Minnie auf eine Weise, über die sie nicht sprechen möchte. Und auch Hilly verliert kein Wort darüber. Sollte es bekannt werden, wäre ihr Ruf für immer im Eimer. Doch hat Hilly andere Möglichkeiten. Sie sorgt mit dreisten Lügen dafür, dass Minnie nirgends mehr eingestellt wird. Eine Katastrophe, denn die Familie ist auf den Verdienst – und ist er noch so klein – angewiesen.
Durch einen Schachzug von Aibileen bekommt Minnie noch eine Chance. Celia Foote, eine junge Frau aus der weißen Unterschicht, die sich einen der reichsten Junggesellen von Jackson geangelt hat, sucht ein Hausmädchen. Ihr Mann soll nicht wissen, dass sie keine Ahnung vom Kochen oder der Haushaltsführung hat. Sie wird von den Damen der League geschnitten. Sie ist ihnen nicht fein genug. Dazu kommt, dass Celias Mann einst der Freund von Hilly war. Keine guten Voraussetzungen für eine Frau, die sich nichts sehnlicher wünscht, als dazuzugehören. Es gibt auch noch einige andere Dinge, die dafür sorgen, dass Celia sehr schwermütig ist.
Für Minnie ist diese „weiße Lady“ keine gewöhnliche Arbeitgeberin. Sie ist es nicht gewohnt, von ihrer Dienstherrin als Ihresgleichen behandelt zu werden und z.B. mit ihr an einem Tisch zu essen. Dazu soll der Ehemann aus bekannten Gründen nichts davon erfahren, dass ein Dienstmädchen im Haus ist. Deshalb spät anfangen, früh gehen und keine Wochenendarbeit bei doppelten Lohn.

Minnie erklärt Skeeter und Aibileen für verrückt. Doch sie lässt sich irgendwann breitschlagen und willigt ein, an dem Buch mitzuarbeiten. Aber viele andere Hausmädchen weigern sich aus Angst, ihre Stellung zu verlieren oder im schlimmsten Fall verprügelt, verhaftet oder getötet zu werden. Skeeter soll der Verlegerin aber mindestens 10 Geschichten und auch die ihrer eigenen Nanny bringen. Erst nach einem Vorfall, an dem wieder Hilly beteiligt ist, willigen nach und nach immer mehr Hausmädchen ein, ihre Geschichten zu erzählen. Natürlich sollen die echten Namen und die Stadt nicht genannt werden. Das Buch soll anonym und nicht unter Skeeters Namen erscheinen. Heimliche Treffen im Haus von Aibileen, zu denen sich Skeeter im Dunkeln schleichen muss, folgen. Nach und nach schreibt sie die Geschichten auf. Es sind nicht nur negative. Es gibt auch einige schöne Dinge, die die Hausmädchen zu erzählen haben. Und tatsächlich beginnt das Buch Gestalt anzunehmen.

Es gäbe noch so viel zu erzählen – über die Angst, die die Frauen bei jedem Treffen ausstehen, die Dinge, die Skeeter immer mehr von ihren alten Freunden isolieren oder darüber, dass dann doch noch einen Mann in ihrem Leben auftaucht. Die Geschichten von Celia, Minnies Rache an Hilly und nicht zuletzt vom Rätsel um Constantine werden ausführlich geschildert. Und dann erscheint das Buch. Damit nicht genug – es wird auch noch vom regionalen Fernsehsender empfohlen, worauf sich viele der „weißen Ladys“ dieses Buch besorgen. Was wird jetzt passieren? Erkennen sich die weißen Ladys wieder? Und was geschieht mit Skeeter und den Hausmädchen?
Erzählt wird das Buch aus der Sicht von Skeeter, Aibileen und Minnie, die sich bei den Kapiteln abwechseln. Die Geschichte umfasst ca. 2 Jahre. Männer spielen in dem Buch meistens nur eine Nebenrolle und dann oft keine rühmliche.

Meine Meinung und Bewertung:
Hundert Jahre nach Beendigung der Sklaverei hatte sich die Situation für viele afroamerikanische Bürger in den USA kaum geändert. Sie wurden zwar jetzt für ihre Arbeit bezahlt, galten aber immer noch als minderwertige Menschen 2. Klasse und hatten kaum Rechte. Ich bin sicher, dass es auch heute noch teilweise so ist.
Ich sah vor einigen Wochen den Film „The Help“, der nach diesem Buch gedreht wurde, im Spätprogramm und war total fasziniert. Ich besorgte mir den Film, schaute ihn nochmal und kaufte dann das Buch. Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Ich war berührt und oft auch so wütend über Hilly und die anderen Ladys, traurig über die Geschichten, amüsiert entsetzt über Minnies Rache und hatte Mitleid mit vielen der Personen – schwarz wie weiß. Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen.
5 von 5 Punkten

Ein paar Worte zur Verfilmung:
Der Film ist gut, aber an das Buch reicht er nicht heran. Emma Stone spielt die Skeeter, aber sie ist einfach zu hübsch für die Rolle. Herrlich fand ich Octavia Spencer als Minnie (für die Rolle bekam sie 2012 den Oscar als beste Nebendarstellerin) und sehr berührend Viola Davis als Aibileen. Einige Dinge aus dem Buch wurden leicht verändert und ein wenig entschärft. Ein oder zwei Dinge wurden stark verändert. Trotzdem lohnt es sich, ihn anzuschauen. Denn obwohl es ein ernstes Thema ist, kann man manches Mal doch auch lachen.
Zuletzt geändert von Lirofan am 10.04.2017, 15:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Gute Geister von Kathryn Stockett

Beitragvon Skiddo » 07.04.2017, 11:26

Ich hatte das Buch auch vor einiger Zeit gelesen und vor kurzem zufällig den Film im Fernsehen gesehen.

Ich hätte nicht gewusst, wie ich die Rezi hätten schreiben sollen, weil das Buch bzw die Geschichte so vielschichtig ist.

Auch für mich ist es ein Highlight und definitiv ein Keeper. Und der Film ist gut, aber Dinge, die für mich wichtige Momente im Buch waren, sind für die Leinwand geändert worden.

5 von 5 Punkten
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Re: Gute Geister von Kathryn Stockett

Beitragvon Lirofan » 07.04.2017, 11:43

Ja - das fand ich auch.
Zwei Sachen waren da besonders gravierend.

Die Haltung von Skeeters Mutter und die Geschichte von Constantine.

Ich habe lange über der Rezi gesessen und sie wurde immer länger. Aber ich hoffe, ich habe es einigermaßen hinbekommen.
Ich verrate ja nichts von den Sachen im Detail.
Mir war es aber wichtig, etwas über dieses Buch zu schreiben, denn es beschäftigt mich immer noch.
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Re: Gute Geister von Kathryn Stockett

Beitragvon Skiddo » 07.04.2017, 12:42

Lirofan hat geschrieben:Ja - das fand ich auch.
Zwei Sachen waren da besonders gravierend.

Die Haltung von Skeeters Mutter und die Geschichte von Constantine.

Ich habe lange über der Rezi gesessen und sie wurde immer länger. Aber ich hoffe, ich habe es einigermaßen hinbekommen.
Ich verrate ja nichts von den Sachen im Detail.
Mir war es aber wichtig, etwas über dieses Buch zu schreiben, denn es beschäftigt mich immer noch.


Hast du definitiv. Mir fällt es sowieso immer sehr schwer, mich kurz zu fassen. Unter dem Aspekt möchte mir gar nicht vorstellen, wie lang meine gewesen wäre.

Und auch mich lässt die Geschichte noch immer nicht los. Es gibt ja Bücher, die hat man nach kurzer Zeit wieder vergessen. 'Gute Geister' zählt definitiv nicht dazu.
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Re: Gute Geister von Kathryn Stockett

Beitragvon patwelli » 07.04.2017, 14:24

Zum Buch gibt es schon eine Rezi

viewtopic.php?f=11&t=16740&p=473165&hilit=gute+geister#p473165

Vielleicht kann man die beiden Threads zusammen fügen.

LG
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