Anke Völling - César et Amélie

Liebesromane, die in der Vergangenheit spielen und in keine andere Kategorie passen

Moderatoren: mallory, Mondfrau, gini

Anke Völling - César et Amélie

Beitragvon Anke » 31.10.2008, 18:40

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César et Amélie
Anke Völling
Books on Demand Gmbh 2008-09 Broschiert 244 Seiten


Hallo zusammen,

ich möchte euch heute auf die Autorin Anke Völling aufmerksam machen. Sie hat einen ganz wundervollen, im Stil sehr eigenen (vielleicht deswegen guten) Liebesroman geschrieben.

Klappentext

Paris 1878 Für César de Maron besteht das Dasein aus Müßiggang, finanzieller Unabhängigkeit und schönen Frauen. Nur zu gern setzt er sich über die von einem Mann seines gesellschaftlichen Standes erwartete Etikette hinweg und lebt sein wildes Leben, wie es ihm gefällt. Amélie Cros, die älteste Tochter eines nur mäßig erfolgreichen Erfinders, besitzt ein von Gott gegebenes Talent, das sie zu nutzen versucht, um ihre Familie vor dem wirtschaftlichen Ruin zu bewahren, der ihrer Ansicht nach unweigerlich bevorsteht. César und Amélie erleben Paris in der blühenden Belle Epoque auf vollkommen unterschiedliche Weise. Bis sie einander begegnen.
Verlag: Books on Demand

Meine Einschätzung

Der Lebemann César de Maron macht auf einer Vernissage die Bekanntschaft mit einer jungen Frau, die ihn auf Anhieb fasziniert. Leider hat er nicht die Chance sie nach ihrem Namen zu fragen. Das Glück ist ihm hold als sein Freund Philippe de Chagny zufällig eben diese Frau wiedertrifft und mit der Kunde zu César eilt, dass ihr Name Amélie Cros ist, die Tochter eines Wissenschaftlers.

Amélie lebt mit ihrer Familie mehr schlecht als recht von dem was der Vater Charles Cros nach Hause bringt. Um das Haushaltsgeld ein wenig aufzubessern, arbeitet die talentierte Künstlerin heimlich, des Nachts, in Verkleidung als Porträtmalerin. Eine weitere Möglichkeit wäre für sie zu heiraten und somit der Familie nicht weiter auf der Tasche zu liegen. Aber alle Ehekandidaten, die ihr Vater ihr vorstellt entsprechen nicht ihren Vorstellungen. Und so setzt sie ihre Bemühungen fort, um der Haushälterin der Familie immer wieder etwas Geld zuzustecken.

Als Amélie César kennenlernt, erleben beide die erste Liebe ihres Lebens und ganz gegen den Willen von Charles Cros, der befürchtet Amélie ließe sich von César, der gesellschaftlich weit über ihr steht, aushalten.
Das würde Amélie allerdings nie zulassen; stattdessen malt sie für eine sagenhaft hohe Summe ein Portrait von César. Geld spielt für den Baron de Maron keine Rolle, für ihn zählt nur, Amélie vor ihrer gefährlichen Arbeit im nächtlichen Paris zu beschützen.

Anke Völling führt den Leser behutsam durch das Paris von 1878, das im Zuge der Weltausstellung eine ganz besondere Atmosphäre erfährt. Sie streut Geschichtliches mit viel Geschick in die Geschichte von César und Amélie ein, ohne sich im Detail zu ergehen oder womöglich die Leserschaft damit zu langweilen.
Ganz wunderbar dabei ist, dass die Beschreibung der Stimmung dieser aufregenden Zeit, nie auf Kosten der Figuren geht, sondern diese immer im Fokus der Geschichte bleiben.

Die Charaktere sind, um es mit einem Wort zu sagen, faszinierend. Mit sparsamen Worten wird auf die Persönlichkeit oder vergangene Ereignisse eingegangen, aber gerade das macht sie so geheimnisvoll und so unheimlich interessant. Bei alldem sind sie dem Leser dennoch überraschend nah und so liebt und leidet man intensiv mit den Figuren mit.

Ungewöhnlich war, da in der Regel die Bücher meines bevorzugten Genres in der Vergangenheit geschrieben sind, und für mich deswegen ein klein wenig gewöhnungsbedürftig, die Wahl der Erzählform: Die Gegenwart. Ich möchte aber hinzufügen, dass diese Entscheidung evtl. ungewöhnlich zu sein scheint, aber auf keinen Fall unpassend ist.

Fazit: „César et Amélie“ ist ein sehr romantisches Buch, das eine wunderschöne Liebesgeschichte erzählt und als besonderer Lesetipp zu empfehlen ist.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings:
Ich bin jemand, der ein Buch zuschlagen möchte mit dem Gedanken, dass die Charaktere, die ich im Laufe der Geschichte liebgewonnen habe, irgendwann nach vielen glücklichen gemeinsamen Jahren, in hohem Alter versterben. Für alle Leser die ähnliche Wünsche an eine Geschichte haben, empfehle ich unbedingt den Epilog zu übergehen und das Buch mit der letzten Szene zu beenden.

Pour toujours - für immer.

Meine Bewertung: 4,5 von 5 Punkte

Lieben Gruß Anke

:stern
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Beitragvon Gipsy » 10.11.2008, 16:01

Vielen Dank für die Rezi :D
Das klingt ja genau nach einem Buch für mich :)
J' :herz Paris *seufz*

Normalerweise bin ich bei einem BoD sehr vorsichtig, aufgrund schlechter Erfahrungen, aber wenn du es so lobst, wandert es doch mal auf meinen WZ. Schade nur, dass es so teuer ist :sad
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Beitragvon Schattentaenzerin » 30.11.2008, 08:41

Uh, das klingt toll, aber das mit dem Epilog klingt ja nicht toll. Ich hab ja ne Ahnung was da passiert... aber hmm, frag ich dich jetzt nach nem Spoiler oder nicht. Bin doch so neugierig.... :???:
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Beitragvon Anke » 30.11.2008, 14:36

Schattentaenzerin hat geschrieben:Ich hab ja ne Ahnung was da passiert... aber hmm, frag ich dich jetzt nach nem Spoiler oder nicht. Bin doch so neugierig.... :???:


Hi Schatten,

ich schick dir eine PN mit einem Spoiler drin, dann kannst du dir immer noch überlegen ob du ihn lesen magst oder nicht ;).

Lieben Gruß Anke
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Beitragvon Gipsy » 14.12.2008, 17:11

So, hier kommt meine Meinung zu dem Buch.

Aber erstmal ein :herz liches Dankeschön an Anke, ohne die ich das Buch nie gelesen hätte und da wäre mir wirklich was entgangen :)


Meine Meinung:

Welch ein berührendes Buch! Wer gerne historische Liebesromane und starke Charaktere mag, ist bei „César et Amélie“ bestens aufgehoben.
Nach einigen schlechten Erfahrungen mit Book on Demand Büchern hatte ich diese für mich eigentlich aufgegeben – umso positiver überrascht war ich dann nach Ankes Empfehlung von diesem Buch hier. Nicht nur sind mir wie sonst so oft bei BoD-Büchern keine Unmengen an Rechtschreib-, Grammatik- und Syntaxfehlern aufgefallen, nein auch der Plot war kohärent, die Personen hervorragend gezeichnet und der intensive Stil hat mich (trotz einiger Irritationen wie beispielsweise die Erzählung im Präsens sowie häufig vorkommende Ellipsen) förmlich in die Geschichte hinein gesogen.

Jetzt zu der Geschichte selbst: Ich fand es herrlich erfrischend, endlich mal einen historischen Liebesroman zu lesen, in dem sich die Protagonisten nicht hassen, nicht mit Wortgefechten (die ich durchaus zu schätzen weiß, nur gibt es davon so viele ;-) ) gegenseitig niederstrecken und sich nicht durch eine Fülle von unterschiedlichsten Nebenplots wie Entführungen, Begegnungen mit Straßenräubern, Erbschleichern, etc. durchquälen müssen. Noch mehr: es gibt nicht einmal Intrigen und Missverständnisse! Anke Völlings Werk ist der beste Beweis, dass eine Liebesgeschichte auch spannend und anrührend sein kann, ohne dass es vor gewaltsam eingefügten Hindernissen wimmeln muss. Zwischen César und Amélie besteht von Anfang an eine große Anziehungskraft, die sich nicht mehr unterdrücken lässt, als die beiden mehr Zeit miteinander verbringen. Dass die beiden nicht sofort zusammenkommen, hat viele einleuchtende Gründe. Sie kennen sich kaum und wollen zunächst einmal mehr Zeit miteinander verbringen, was im Paris des 19. Jahrhunderts für einen als Lebemann bekannten Adligen und ein bürgerliches Mädchen nicht einfach ist. Daher sind sie zunächst einmal zu Heimlichkeiten gezwungen und die Spannung bleibt erhalten. Als Leser hat man fast den Eindruck, in die Privatsphäre der Liebenden einzudringen, wenn man über ihre vorsichtige Annäherung liest. Dies verleiht dem Roman ein authentischeres Gefühl, als es bei den meisten Liros üblich ist.

Anke Völling hat hier ein kleines Juwel für Liebesromanleser geschaffen, die sich auf eine romantische und tief berührende Geschichte einlassen wollen.

Durch Ankes Rezi war ich ja bereits vorgewarnt, dass das Ende leider nicht ganz so rosig wird, wie man sich das als Leser wünscht, aber irgendwie war es dieses Wissen, dass mich die ganze Geschichte noch tiefer erleben hat lassen.

Meine Bewertung: 10 von 10 Punkten
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