Alexandra Graham - Sehnsucht der Hoffnung

LIROS, die in der Zeit des Rokoko und Biedermeier in England spielen

Moderatoren: mallory, Mondfrau, gini

Alexandra Graham - Sehnsucht der Hoffnung

Beitragvon mallory » 25.11.2015, 20:31



Inhalt: London im frühen 19. Jahrhundert:

Die bezaubernde Debütantin Elisabeth Kincaid ist auf dem Londoner Parkett heiß begehrt, da ihr Vater, der Earl of Chester, als einer der vermögendsten Männer des Königreichs gilt. Ihre Mitgift lockt zahlreiche Heiratskandidaten an. Diese interessieren sich jedoch weder für den Liebreiz der jungen Frau noch für ihren Witz oder ihren Charme, sondern schielen einzig und allein auf ihr Erbe. Ganz anders als Adam Sinclair, der als jüngster Sohn eines Earls und Offizier der Krone zwar keine Aussichten auf einen Titel hat, sich jedoch auf den ersten Blick in Elisabeth verliebt. Auch Elisabeth verliebt sich Hals über Kopf in den gut aussehenden Mann, der um ihre Hand anhält und sie kurz darauf heiratet.
Ihr Glück scheint perfekt, als sich nur wenige Monate später die Ereignisse überschlagen und Elisabeth zutiefst erschüttern. Fassungslos bleibt ihr nichts anderes übrig, als über Nacht Verantwortung zu übernehmen und erwachsen zu werden. Als sie glaubt, sich nach langer Zeit mit ihrer Situation arrangiert zu haben, kommt es zu einem Ereignis, das ihre Welt schon wieder aus den Fugen geraten lässt.

Meine Meinung: Der Roman liest sich sehr angenehm, auch wenn ich mich von Plot und Stil her immer an die Cora Myladys erinnert fühlte (was ja nichts Schlechtes ist). Leider gibt es einiges was mich doch reichlich gestört hat (ich spoilere jetzt doch jede die schon mal den einen oder anderen historischen Liebesroman gelesen hat wird sofort wissen was das Ereignis ist das die Welt aus den Fugen hebt!):

Zum einen haderte ich mit einigen Logikfehlern, die mir so offensichtlich scheinen dass man sie beim Korrekturlesen doch hätte finden müssen. Z.B. hier:

Wie es schien, hatte er sich das Haar nicht gepudert, sondern lediglich nach hinten gebunden, da sich die Spitzen auf den Epauletten lockten.

Dieses Bild ging mir eine ganze Zeit nicht mehr aus dem Kopf. :roll: Die Epauletten sitzen meiner Erinnerung nach auf den Schultern, auf seinen ziemlich breiten Schultern, wie betont wurde. Wenn er nun die Haare nach hinten gebunden hat, wie kommen dann die Spitzen derselben auf die Schultern? Hat er Haare bis zur Hälfte des Rückens, diese in einem tiefen Pferdeschwanz nach hinten gebunden und dann über die Schultern ausgebreitet? Doch wohl eher nicht.

Genauso rechnete ich seit dem 1. Kapitel nach: Der Held ist erst kurz im Krieg, da stirbt sein Bruder. Das ist etwas mehr als sechs Jahre her. Zu dieser Zeit ist die Heldin schon schwanger. Doch als der Held nach diesen 6 Jahren und ein oder zwei Monaten heim kommt wird gerade der 5. Geburtstag seiner Zwillinge gefeiert. Wie lange war die Frau schwanger? Dazu noch mit Zwillingen, die doch gerne mal etwas früher kommen?? :???: Diese "Zeitanomalie" zieht sich durch das ganze Buch und hat mich jedes Mal wieder irritiert.

Dazu kommt, dass die Geschichte zeitlich etwas wirr geschrieben ist. Zu Anfang erfährt die schwangere Elizabeth, dass ihr Mann im Krieg gefallen ist. Im nächsten Kapitel wird der 5. Geburtstag ihrer Zwillinge gefeiert und wieder ein Stück weiter lernen sich Elisabeth und Adam plötzlich erst kennen. In ca. fünf Kapiteln wird dann das Kennenlernen bis zur Hochzeitsnacht geschildert, dann sind wir plötzlich wieder "6 Jahre später" in der Gegenwart bei der erschütterten Nicht-mehr-Witwe und ihrem in Gefangenschaft gebrochenen Mann, wo die Handlung dann bis zum Ende bleibt.
Ein ganz enormes Manko hat die Geschichte auch noch und das ist Elisabeths 11jährige Schwester. Ich musste mich doch fragen ob es 1808 nicht üblich war seine Kinder zu erziehen. Erst wird erzählt dass ein 11jähriges Mädchen nicht versteht dass der Vater krank ist und sie deshalb nicht durchs Haus toben darf, dann bringt sie ihre Schwester bei jedem Auftritt absolut taktlos in Verlegenheit.Sie ist ein freches und nervtötendes Gör und jeglicher Erziehungsversuch geht an ihr vorbei als hätte man sie im Wald gefunden. Erst im Erzählstrang der dann sechs Jahre später spielt ist sie endlich erwachsener und erträglicher geworden.

Soviel zu den Mängeln des Romans. :roll: Davon abgesehen und wenn einen solche Logikfehler nicht stören handelt es sich bei "Sehnsucht der Hoffnung" um einen schönen Regency-Roman mit sympathischen Personen und einer einfühlsam beschriebenen körperlichen und psychischen Genesungszeit Adams. Leider ist der Plot nicht wirklich neu und so hinterlässt der Roman bei mir eher den Eindruck: Ganz nett, aber nicht länger im Gedächtnis bleibend.

Meine Wertung:

3,5 von 5 :lesen

:stern
Etwas Muße braucht der Mensch, eine Blume und ein Buch.
Else Pannek (1932-2010)
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