S. B. Sasori - Der Marquis von Flandern (Gay)

Liebesromane mit phantastischen und/oder mystischen Elementen

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S. B. Sasori - Der Marquis von Flandern (Gay)

Beitragvon mallory » 25.11.2017, 11:37

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Der Marquis von Flandern

Inhalt: Geliebter Hendrik! So beginnt jeder der sieben Briefe, die Hendrik de Ruiter zwischen den Seiten antiker Bibeln gefunden hat. Der Verfasser nennt sich selbst der Marquis und scheint den ersten Brief vor sechshundert Jahren geschrieben zu haben, während der letzte auf den Tag von Hendriks Geburt datiert ist. Hendrik kann nicht glauben, dass sie an ihn gerichtet sind, nur weil er zufällig denselben Namen des flämischen Bauernsohnes trägt. Erst, als der Schreiber in einem der Pergamente einen grausamen Mord gesteht, beginnt Hendrik, nachzuforschen. Er stößt auf das Geheimnis einer über Jahrhunderte andauernden Liebe und erkennt, dass er ein Teil davon ist.

Meine Meinung: Obwohl sich die Autorin eines militärisch-preußisch knappen Schreibstils bedient, war ich nach wenigen Seiten gefesselt von der Geschichte. Um zu verdeutlichen was ich unter dieser Bezeichnung meine hier ein kleines Beispiel:

Nur die Sommersprossen vermisse ich.
Schleudere das Glas an die Wand, höre seinem Zersplittern zu. Wäre schön, wenn es meinem Herzen ebenso erginge.


Das liest sich so aus dem Zusammenhang gerissen vermutlich eher unschön, doch im Gros der Geschichte passt es einfach. Es treibt die Story an, die Kürze mancher Sätze betont noch die Gefühle der erzählenden Personen.
Aufgebaut ist der Roman auch eher ungewöhnlich. Es beginnt aus der Sicht des jungen Hendrik Ende 2017. In Ich-Form und Präsens erzählt er von seiner unerklärlichen Behinderung, die seine Beine bei Kälte schmerzen und verkrampfen lässt, von seinem Ärger mit seinem Vater und ziemlich rasch auch von dem Erbe das er unerwartet von seinem unbekannten Großonkel Marten erhält. Er lernt den Notar Rouven kennen, hat ein traumatisches Erlebnis mit besagtem Großonkel und plötzlich ist er der Erbe eines Hauses und von sieben geheimnisvollen Briefen, die er gemeinsam mit Rouven beginnt zu übersetzen.
Dann beginnt das nächste Kapitel, in dem der Marquis seinem geliebten Hendrik einen Brief schreibt. Diesen Brief bekommt der Hendrik in der Gegenwart zu sehen, den nächsten Abschnitt, in dem in der Vergangenheit vom Kennenlernen Hendriks, des Bauernsohnes und des geheimnisvollen Marquis' berichtet wird, erfährt nur die Leserin des Buches.
Normalerweise mag ich weder die Erzählform besonders noch dieses Gehüpfe durch die Zeiten, doch die Autorin hat einen so eindringlichen Schreibstil, dass mich die Erzählform zu keiner Zeit störte und dass ich den Roman förmlich verschlang weil ich unbedingt wissen wollte wer der Marquis denn nun ist. Schon recht bald legt die Autorin kleine Spuren aus, die mich ungemein fesselten und mich auch recht bald in die richtige Richtung lenkten, trotzdem musste ich unbedingt immer weiter lesen um zu erfahren, ob mein Verdacht tatsächlich möglich sein kann.
So habe ich einen Roman bekommen, der nicht nur mit einer fesselnden Geschichte, einem unglaublichen Rätsel und einigen ansprechenden erotischen Szenen punkten kann, auch die Gefühlswelt der Protagonisten, seien es Rouven oder die beiden Hendriks, ist sehr intensiv und so ist der Roman nicht gerade leichte Kost. Aber gerade das macht ihn zu einem sehr mitreißenden, fesselnden Lese-Erlebnis.

Meine Wertung:

5 von 5 :lesen

:stern
Etwas Muße braucht der Mensch, eine Blume und ein Buch.
Else Pannek (1932-2010)
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