Anna Sam - Die Leiden einer jungen Kassiererin

...wenn es denn mal etwas anderes als ein Liebesroman sein soll;)

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Anna Sam - Die Leiden einer jungen Kassiererin

Beitragvon Wildfee » 04.05.2009, 19:20

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Die Leiden einer jungen Kassiererin
Anna Sam
Riemann 2009-01-26 Broschiert 180 Seiten

Inhalt:
„Wenn du in der Schule nicht fleißig lernst, dann wirst Du einmal Kassiererin wie diese Frau da“, droht eine Mutter ihrem Nachwuchs im Supermarkt. Von dieser und weiteren typischen Begebenheiten an der Kasse berichtet Anna Sam. Denn die studierte Literaturwissenschaftlerin bestritt lange Jahre ihren Lebensunterhalt als Kassiererin - pardon: „Servicemitarbeiterin Kasse“, wie es so schön heißt.

Da man bei kaum einem anderen Job öfter Kontakt mit Menschen hat, kennt die aufmerksame 28-Jährige alle Typen von Kunden: den notorischen Stänkerer, den lästigen Fragesteller oder den Möchtegern-Charmeur. Ihre Erfahrungen und Eindrücke an der Supermarktkasse hat die Französin aufgeschrieben - und mit ihren unterhaltsamen Studien einen Überraschungserfolg gelandet.

Aus der Biep-Show mit Strichcodes entsteht eine Art Gebrauchsanweisung für Kassiererinnen inklusive Frage, ob man sich nicht besser einen anderen Job suchen sollte. Kunde Leser wiederum erfährt, welchen Freund die Kassiererin liebkost, wer Ende Januar für Weihnachten vorzusorgen beginnt oder wann im Supermarkt wirklich keine Zeit für höfliche Floskeln bleibt. Außerdem lernen wir einmal mehr, dass niemand ohne Blick für den Mitmenschen durchs Leben gehen sollte, wobei uns diese Botschaft nicht als nerviger, moralischer Appell, sondern als ein Ergebnis der gut beobachteten und amüsant erzählten Episoden an der Kasse erreicht.

Als Deutsche erfahren wir, wie ähnlich der Alltag bei unseren französischen Nachbarn aussieht. Denn wer wusste schon, dass auch Franzosen nötigenfalls Essen runterschlingen können? Folglich schreibt das Leben auch im Supermarkt die besten Geschichten. Am Ende zählen dazu auch magische Momente, nämlich wenn die Autorin im richtigen Leben das letzte Mal dem Knochenjob als Kassiererin nachgeht. Ein Roboterdasein? „Aber nein“, weiß Anna Sam, denn „Roboter lächeln nicht.“

Meine Meinung:
Die Inhaltsangabe lässt einen leider sehr viel mehr hinter dem Buch vermuten als wirklich darin steckt.
Ok, manchmal entdeckt man die eine oder andere Episode, die einem bekannt vorkommt, aber im Großen und Ganzen ist das Buch ein künstlich aufgeblasener Ballon ohne viel Inhalt.
Ich weis nicht, wo ich die ironische Lässigkeit oder scharfe Beobachtungsgabe erkennen kann, die auf dem Klappentext angepriesen wird. Für mein Empfinden trieft das Buch eher von Gehässigkeit und es springt einem ständig zwischen den Zeilen entgegen, wie sehr die Autorin von ihrem Job genervt war.
Richtig nette oder lustige Episoden mit Kunden fehlen zwar nicht gänzlich, sind aber zu spärlich gesät, um den negativen Grundtenor zu übertönen.
Am ehesten werden sich noch Kassiererinnen von Märkten wie real oder Globus mit der Autorin identifizieren können, Kassiererinnen und Verkäuferinnen in Diskountern oder anderem Einzelhandel werden höchstens mal schmunzeln können.
Mein Fazit: Rausgeschmissenes Geld, da gibt es wesentlich bessere Blogs rund um den Einzelhandel, die amüsanter und treffender geschrieben sind.

Meine Wertung:
4 von 10

:stern
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Hat die Blume einen Knick, war die Hummel wohl zu dick.
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Wildfee
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Beitragvon SchneeMcKettrick » 04.05.2009, 21:14

Danke Wildi ;) Ich fand das Buch richtig grottig!
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Schokolade ist Gottes Entschuldigung für Rosenkohl
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Beitragvon mallory » 04.05.2009, 21:31

Ich bin jetzt doch sehr verblüfft! Hatte nicht eine von euch geschrieben, das sei so lustig? Oder war das nur das Zitieren der Vorschusslorbeeren?
Etwas Muße braucht der Mensch, eine Blume und ein Buch.
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Beitragvon Schnuffi » 04.05.2009, 21:44

Schatten fand es glaub ich gut.
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Beitragvon Skiddo » 15.05.2009, 21:19

Gelesen.

Es ist ziemlich kurzweilig und flüssig zu lesen, ich habe es innerhalb weniger Stunden durch gehabt. Teilweise eine interessante Sprachwahl, was wohl aber an der Übersetzung liegt, wie auf Amazon in einer Rezi steht. Wobei ich sagen muß, daß mir genau die Sprachwahl sehr gefallen hat. Ok, aber jedem das seine.

Lt. gelacht habe ich nicht, witzig war es definitiv schon, wenn auch eher im Lächel-Bereich. Streckenweise allerdings auch beinahe schon langweilig.

Wenn auch wesentlich kürzer, habe ich doch eine zeitlang in einem Supermarkt gejobbt als Teilzeit, genauer "Aushilfe mit gelegentlicher Kassiertätigkeit". Natürlich haben mich auch einige Kunden(typen) arg in Wallung gebracht, teilweise an der Menschheit zweifeln lassen, aber was mir persönlich wesentlich mehr aufgestoßen ist, sind die "lieben" Arbeitskollegen gewesen. Die sich nach meiner Einstellung im Kassenbereich nicht mehr sehen ließen und mich dafür an einigen wirklich langen Arbeitstagen von 12 Std. um Pipi-Pausen betteln ließen. Pausen waren auch nur mit Murren drin und man musste das Gelände teils verlassen, weils anders mit den Kollegen nicht auszuhalten war wegen der Spitzen, die man sich anhören durfte, weil man sich erdreistete, seine gesetzliche Pausenzeit auch einzuhalten. Denn das bedeutete ja, daß diese Kollegen sich in der Zeit selbst an die Kasse setzen mussten. Das kann aber durchaus ein spezifisches Phänomen dieser Supermarkt-Kette sein, denn auch heute als Endverbraucher mit jahrelangem Abstand zu dem damaligen Job, sehe ich ja, daß diese Ladenkette durch qualitatives Souterrain glänzt, was leider auch vor dem Personal bzw deren Arbeiterqualitäten nicht halt macht.

Die Autorin schein allerdings einen anderen Zusammenhalt unter Kollegen kennen gelernt zu haben, auch wenn sie die ein oder andere Spitze gegen Kollegen und Vorgesetzte schießt.

Für die geschundene Verkäuferinnenseele, die sich hier Balsam für selbige erhofft und Bestätigung sucht, sei aber angemerkt, daß Frankreich doch ein paar kleine Unterschiede ausmacht, was die Arbeitsbedingungen angeht. Trotz meiner kurzen Erfahrung im Einzelhandel konnte ich mich nur bedingt mit der Autorin und ihrem Erlebten idendifizieren.

Ansonsten sicherlich nur ganz kurzweilige Unterhaltungslektüre, die sich mir nicht dauerhaft eingebrannt haben wird, aber trotzdem lesenswert ist. 'Krieg und Frieden' ist es definitiv nicht, aber mit der Erwartung wird wohl auch kein Leser an dieses Buch gehen.


Von mir gibt es

3,5 von 5 Punkten
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Beitragvon Schnuffi » 21.08.2009, 20:21

Habs auch gelesen und mir auch irgendwie mehr erwartet.
Ich habe noch niemals ein buch so schnell durchgelesen, das sagt wohl alles.

Eine Lektüre die man sich zu Gemüte führen kann, aber devinitiv nicht muß.
Nichts besonderes.
Manchmal war es einfach zuviel Geschwafel irgendwie, auch wenn mir einiges bekannt vorkam.
Es gibt schon stellen zum schmunzeln, aber naja....
Mittelprächtiges kurzweil
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