Matthew Reilly - Der große Zoo von China

...wenn es denn mal etwas anderes als ein Liebesroman sein soll;)

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Matthew Reilly - Der große Zoo von China

Beitragvon mallory » 16.02.2019, 11:40

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Der große Zoo von China

Inhalt: Nach 40 Jahren enthüllt die chinesische Regierung ihre unglaubliche Entdeckung.

Die Reptilien-Expertin CJ Cameron wird nach China eingeladen. Sie soll den größten Zoo, der jemals gebaut wurde, begutachten. Und sie darf sie mit eigenen Augen sehen: gewaltige, Feuer speiende Drachen. Es gibt diese Fabelwesen wirklich. Die Gastgeber versichern, dass sie vollkommen sicher ist und nichts schiefgehen kann ...

Meine Meinung: ...natürlich geht alles schief was nur kann und am Ende kämpft CJ nicht nur mit einer kleinen Gruppe anderer Überlebender gegen eine überwältigende Übermacht an nahezu unzerstörbaren, hochintelligenten, riesengroßen Drachen sondern auch noch gegen das chinesische Militär, das keine Zeugen des Desasters übrig lassen will.
Wie von Matthew Reilly durch seine Scarecrow und Jack West jr.-Romane gewohnt ist auch CJ Cameron nahezu "unkaputtbar". Sie überlebt alles, hat immer eine Idee in der Hinterhand, rettet beinahe im Alleingang eine Reihe gestandener Männer und ein kleines Mädchen und selbst wenn sie mal schwer verletzt wird, dann lässt sie sich - natürlich ohne nennenswerte Betäubung - von einem Mitstreiter nähen und kämpft dann weiter. Ohne dass eine Beeinträchtigung durch diese Verletzung jemals wieder erwähnt wird. Die Geschichte ist gewohnt rasant und spannend, Adrenalin pur und es gibt natürlich wieder eine Menge Tote, auch auf Seiten der Guten. Die Drachen sind erstaunlich glaubwürdig dargestellt und im Nachwort erklärt Reilly in einem Interview, wie lange er daran gefeilt hat diese Glaubwürdigkeit zu erschaffen.
Leider ist in diesem Roman alles etwas zu viel. Da sind ein paar kleine Menschen, eine Frau, sechs Männer (von denen nicht alle überleben) und ein kleines Mädchen. Und ihnen gegenüber mehr als 230 Flugzeug-große Drachen und die machtbesessenen skrupellosen chinesischen Gegenspieler, die zwar 40 Jahre die Drachen aufgezogen bzw. gezüchtet haben, sie aber nicht wirklich verstehen und nie gemerkt haben dass diese Tiere eine überragende Intelligenz besitzen!
Die Heldin ist Tierärztin, keine Geheimagentin, trotzdem übersteht sie alle Angriffe und Verletzungen wie ein Cyborg, kann schießen, kämpfen, sich, an einer Hand über dem Abgrund hängend, einen Bösewicht an sich geklammert, aus ihrem Feuerschutzanzug winden und nahezu im Alleingang die Welt retten, unterstützt nur von ihrem Bruder, dem amerikanischen Botschafter, dessen Bodyguard und einem kleinen chinesischen Elektriker. Ach ja, und von einer jungen Drachin, deren Leben sie gerettet hat und die ihr seither freundschaftlich verbunden ist.
Nicht nur der Autor gibt offen zu dass "Jurassic Park" eines seiner absoluten Lieblingsbücher ist, auch die Geschichte hat deutliche Parallelen. Reilly versucht zwar in seinem Interview zu erklären wo die Unterschiede zwischen den beiden Geschichten sind, doch er konnte mich mit seiner Erklärung nicht überzeugen.
Hier haben wir einen Zoo mit riesigen Drachen, fast alle bösartig und mordlüstern, geschaffen von einer Nation die endlich an die Weltspitze will. Die Gäste sind Journalisten und hochrangige Politiker, die den Zoo als erste bewundern sollen und schließlich um ihr Leben kämpfen.
Bei "Jurassic Park" haben wir einen Tierpark mit Dinosauriern, zum Teil bösartig und mordlüstern, geschaffen von einem reichen Typen der sich damit ein Denkmal setzen will. Die Gäste sind Wissenschaftler die den Tierpark als erste bewundern sollen und schließlich um ihr Leben kämpfen.
Wo also sind die Unterschiede in der Ausgangssituation? Dennoch ist "Der große Zoo von China" kein Abklatsch von "Jurassic Park", denn er ist mit Adrenalin, rasanter Action und Überhelden getränkt, wo "Jurassic Park" eine actionreiche doch irgendwie glaubwürdigere Geschichte erzählt. Dass es dort auch riesige doch harmlose Pflanzenfresser und nicht nur mordende Monster gibt nimmt etwas Tempo aus Crichtons Geschichte, was ich im Gegensatz zum „großen Zoo“ sehr angenehm fand.
Zwischendurch wurde mir der Kampf „eine Frau gegen hunderte von Drachen“ einfach zu viel, als sich eine Szene abzeichnete von der ich einfach nicht glauben konnte dass Reilly hier noch einen Ausweg schaffen kann. Also habe ich das Buch abgebrochen und etwas anderes gelesen. Da ich aber doch wissen wollte wie es ausgeht habe ich schließlich die letzten Kapitel doch noch gelesen und er hat es tatsächlich geschafft! In der Art eines Popcornkino-Actionfilms lässt er sein kleines Grüppchen Helden in buchstäblich letzter Sekunde entkommen. Und das Ende ist wirklich sehr versöhnlich und befriedigend.

Fazit: Ein adrenalingetränktes Buch, mit glaubwürdig entwickelten Drachen und unglaubwürdigen Helden, die einfach alles überleben. Es ist alles einfach etwas zu viel und ein bisschen weniger Action, ein paar ruhige Minuten in der Handlung, ein bisschen weniger Gerenne und Geballere hätten der Geschichte tatsächlich nur gut getan. Ich mochte Reillys erstes Buch "Showdown" weil dort ein Normalo den Kampf gegen ausgebildete Krieger durch Intelligenz, Logik und Glück überlebt. Ich mochte "Ice Station" weil der Held Scarecrow zwar keine Minute zur Ruhe kommt - ebenso wenig wie ich - aber trotzdem die Ausgangssituation noch realistisch ist. Doch bereits die Romane über Jack West jr. fand ich viel zu übertrieben und mit dem "großen Zoo von China" ist m.E. Reillys Action-Level vollends ins zu Übertriebene umgekippt.

Meine Wertung:

3,5 von 5 :lesen

:stern
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Re: Matthew Reilly - Der große Zoo von China

Beitragvon Wildfee » 16.02.2019, 19:12

Ich glaube, das ist kein Buch, dass ich lesen muss. Auch wenn mich die Drachen verdammt reizen, das gebe ich schon zu :lol:
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Hat die Blume einen Knick, war die Hummel wohl zu dick.
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Re: Matthew Reilly - Der große Zoo von China

Beitragvon mallory » 16.02.2019, 19:15

Ich kann mir auch nicht vorstellen dass dir das Buch gefallen würde.
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